Hochkonjunktur darf nicht zur Strategienachlässigkeit von KMU führen

Hochkonjunktur darf nicht zur Strategienachlässigkeit von KMU führen

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Im neunten Jahr des Aufschwungs wissen mancherorts kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) gar nicht mehr, wie sich eigentlich ein leeres Auftragsbuch oder Unterauslastung anfühlt. Die Hochkonjunktur hat vielerorts und auch im Münsterland zur anhaltenden Vollbeschäftigung von Betrieben und Mitarbeitern geführt, so dass an Strategien für schlechtere Zeiten keine Gedanken ´verschwendet´ werden. Jedoch sind gerade für die Wachstums- und langfristigen Entwicklungsschritte eines Unternehmens (z.B. Unternehmensnachfolge) die Grundlagen in guten Zeiten zu schaffen: Denn die Unternehmenszukunft wird aus überlegten Strategien und passgenauer Finanzierung gemacht.

 

Ihr Erfolg darf die Unternehmen nicht zur „strategischen Trägheit“ verleiten. Die bestehenden und zunehmenden Herausforderungen insbesondere für kleine und mittelständische Unternehmen dürften den Zeithorizont der Hochkonjunkturphase übertreffen: Fachkräftemangel, beginnende Nachfolgewelle, Digitalisierung in heraufziehenden unsicheren weltpolitischen Zeiten mit Brexit und Handelskonflikten haben längerfristige Einflüsse auch auf die KMU in unserer Region. Eine strategische Geschäftsplanung muss diese Faktoren berücksichtigen und deren Einflüsse auf die mittel- bis langfristige Unternehmensentwicklung abbilden. So sind die daraus abzuleitenden Bedarfe an Investitionen z.B. in Maschinen unter der Prämisse des Fachkräftemangels zu kalkulieren, inwiefern eine stärker maschinenunterstützte Leistungserstellung die Fachkräftelücke wenigstens teilweise schließen kann.

 

Für solche zukunftsinvestiven Entscheidungen sind passende Finanzierungen zu konzipieren. Nur stellen Kapitalgeber in Abschwung- und Rezessionsphasen in der Regel weniger Kapital oder gegebenenfalls nur zu schlechteren Konditionen bereit. Somit haben Unternehmen in Hochkonjunkturphasen zunächst ihre Eigenkapitalbasis zu stärken, wozu Mittelständler lt. KfW ihre durchschnittliche Eigenkapitalquote in den vergangenen Jahren immerhin von 22% auf komfortable 30% aufgestockt haben. Darauf aufbauend sind im nächsten Schritt Finanzierungspuffer für die Zukunftsinvestitionen zu erarbeiten. Zwar setzen weiterhin viele kleine und mittlere Unternehmen zu mehr als 50% auf den klassischen Hausbankkredit ihrer Hausbank(en). Jedoch sind diese häufig mit überproportional viel Eigenkapital oder sonstigen Sicherheiten zu unterlegen, was die Wachstumsmöglichkeiten einschränkt. Deswegen sollten auch und gerade KMU aus strategischer Perspektive nach Finanzierungsalternativen Ausschau halten.

 

Hier bieten sich zunächst Förderkredite an, die neben laufzeitgesicherten Zinsvergünstigungen je nach Vorhaben und Förderkreditprogramm auch zusätzliche Sicherheiten für die durchleitende Hausbank mitbringen. So wird das wertvolle Eigenkapital geschont und steht zumindest teilweise für zukünftige Entwicklungsschritte zur Verfügung. Inzwischen gibt es beispielsweise für Digitalisierungs- oder Effizienzsteigerungsvorhaben von KMU passgenaue Förderkredite mit komfortablen Besicherungsmöglichkeiten (Haftungsfreistellungen bzw. Bürgschaften), die es der durchleitenden Hausbank eher ermöglichen, das Vorhaben mit zu finanzieren.   

 

Aber auch der Zugang zur Eigenkapitalfinanzierung bei Wachstumsschritten ist inzwischen für Mittelständler einfacher als noch vor fünf oder zehn Jahren. Die Kapitalbeteiligungsgesellschaften von NRW und Niedersachsen finanzieren beispielsweise über 10 - 15 Jahre als stille Gesellschafter ohne Einmischung in die Geschäftsführung Wachstums- und Nachfolgevorhaben von KMU. Ebenso könnten Finanzierungssurrogate wie das Leasing, Factoring, das Finetrading (Einkaufsfinanzierung) noch stärker von kleinen und mittleren Unternehmen der Region genutzt werden. Immerhin jeder 20. Mittelständler hat sich auch schon mit Schwarmfinanzierungen als alternative Finanzierungsform befaßt, wenngleich noch nicht umgesetzt. So vermeiden strategisch vorausschauend finanzierende Unternehmer/innen Abhängigkeitsverhältnisse zur Hausbank.  

 

Eine allzeit gültige Finanzierungsstrategie gibt es aber ebenso wenig wie ein „Patentrezept, das schon immer paßt(e)“. Gerade KMU benötigen aufgrund ihrer individuellen Anforderungen aus dem Inhaber-/ Gesellschafterkreis und von der Marktseite eine fortgeschriebene Unternehmensstrategie mit Abbildung der gewünschten Entwicklungsschritte. Hieraus sind gerade in wirtschaftlich guten Zeiten die notwendigen Grundlagen und nächsten Schritte zur Finanzierung und Umsetzung der zukünftigen Unternehmensentwicklung zu erarbeiten und den Anspruchsgruppen des Unternehmens zu kommunizieren.

 

Bei der Erstellung und Kommunikation Ihrer Unternehmens- sowie Finanzierungsstrategie bin ich Ihnen gerne behilflich. Nehmen Sie hier Kontakt mit mir gerne auf und vereinbaren ein kostenfreies Erstgespräch.

 

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