Update: Hilfen in der Corona-Krise für kleine und mittelständische Unternehmen, Selbständige sowie GründerInnen

Übersicht mit Erläuterungen und Links zu den Unterstützungspaketen

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Nachfolgend wird der Blogbeitrag vom 04.04.2020 zu den Sofort- und Unterstützungsmaßnahmen von Selbständigen, kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) sowie Gründer/innen in der Corona-Krise mit Stand vom 02.10.2020 aktualisiert:

 

1. "2. Phase der Überbrückungshilfe" und Aussetzung weiterer Anhörungsmails zur Abrechnungsprüfung der "Soforthilfe"

 

Verlängerung der Überbrückungshilfe als "2. Phase"

 

Update 1: Die Überbrückungshilfe in der ersten Phase der Monate Juni bis August wurde durch die Bundesregierung als Folgeunterstützung der Soforthilfe zu den betrieblichen Fixkosten für Solo-Selbständige, kleine und mittlere Unternehmen (KMU) verabschiedet. Eine (rückwirkende) Beantragung der alten Unterstützungssätze für die Monate Juni bis August ist aber nur noch bis zum 09. Oktober 2020 über einen Steuerberater, vereidigten Buchprüfer, Wirtschaftsprüfer bzw. Rechtsanwalt möglich.

 

Update 2: In der jetzt für die Monate September bis Dezember 2020 verlängerten "2. Phase der Überbrückungshilfe" können Selbständige, KMU, und auch gemeinnützige Unternehmen/ Organisationen wieder nicht-rückzahlbare Zuschüsse zu ihren Fixkosten ab Mitte Oktober über die oben genannten Steuer-/Berater beantragen. Die Höchstgrenzen der Zuschüsse für Selbständige ohne und mit bis zu fünf Beschäftigten von bislang 9.000 Euro und von bis zu 15.000 Euro bei kleinen Unternehmen mit bis zu zehn Beschäftigten entfallen, so dass diese wie alle betroffenen KMU bis zu 50.000 Euro pro Monat erhalten können. Antragsberechtigt für die 2. Phase der Überbrückungshilfe sind Selbständige und KMU unter den folgenden Bedingungen:

    • Umsatzeinbruch von mindestens 50 % in zwei zusammenhängenden Monaten im Zeitraum April bis August 2020 gegenüber den jeweiligen Vorjahresmonaten oder

    • Umsatzeinbruch von mindestens 30% im Durchschnitt in den Monaten April bis August 2020 gegenüber dem Vorjahreszeitraum

 

Die Erreichbarkeit und Fördersätze für Zuschüsse werden in Abhängigkeit vom nachgeweisenen Umsatzeinbruch ab September 2020 verbessert:

    • 90% der Fixkosten bei mehr als 70% Umsatzeinbruch (Phase I: 80% der Fixkosten),

    • 60% der Fixkosten bei einem Umsatzeinbruch zwischen 50% und 70% (Phase I: 50% der Fixkosten) und

    • 40% der Fixkosten bei einem Umsatzeinbruch von mehr als 30% (Phase I: bei mehr als 40% Umsatzeinbruch).

In Abhängigkeit von den nachgewiesenen (hohen) betrieblichen Fixkosten können damit alle berechtigten Selbständigen und Unternehmen für die vier Monate September bis Dezember 2020 maximal 200.000 Euro an Zuschüssen. Einrechenbar sind nun soagr 20% (Phase I: 10%) der Personalaufwendungen für Mitarbeiter, welche NICHT in Kurzarbeit geschickt wurden.

Allerdings wäre bei der Schlußabrechnung weiterhin eine Überkompensation wie bei der Soforthilfe zurückzuzahlen, dafür sind auch nachzahlungen bei verschärften Umsatzausfällen oder unvorhergesehenen weiteren Fixkosten möglich.

 

Das BMWi teilt auf seiner Homepage die näheren Informationen zu den bundesweit geltenden Konditionen der 2. Phase der Überbrückungshilfe mit.

 

Update 3: In NRW stockt die Landesregierung für Solo-Selbstständige und Personengesellschaften mit bis zu 50 Mitarbeitern erneut die Überbrückungshilfe (2. Phase als "Plus-Variante") im Bewilligungszeitraum September bis Dezember 2020 um pauschal 1.000 Euro pro Monat für die Privatentnahmen auf. Weitere Informationen unter https://www.wirtschaft.nrw/ueberbrueckungshilfe

 

Aussetzung weiterer Anhörungsmails zur Abrechnungsprüfung der "Soforthilfe"

 

Rund 100.000 der 430.000 Empfänger von Soforthilfen in NRW wurden im Juli 2020 per Mail von der zuständigen Bezirksregierung angeschrieben. Mit der Mail wurden die Empfänger in einem rein digitalen Verfahren aufgefordert, ihren Liquiditätsengpass für die vergangenen drei Monate des Bewilligungszeitraumes zu ermitteln. Nach harscher Kritik von Verbänden und Juristen wurde das Anhörungsverfahren gestoppt, so dass rund drei Viertel der Empfänger von Soforthilfen noch keine Anhörungsmail bekommen haben sollten.

Gleichwohl haben die Bezirksregierungen auf Basis der ausgefüllten digitalen Anhörungsbögen erste Ermittlungen teilweise auch von staatsanwaltlicher Seite eingeleitet, wenn es Anzeichen für unrechtmäßige Beantragungen geben könnte. Sollten Sie entsprechende Post von behördlicher oder gar staatsanwaltlicher Seite bekommen, empfiehlt sich die Einschaltung eines Anwaltes, der sich im Verwaltungs- und ggf. Strafrecht auskennt, um zu klären, ob und mit welchen Angaben Sie der Anhörung nachkommen.

Weitere Informationen zum Stand des Rückmeldeverfahrens bekommen Sie auf den Internetseiten des NRW-Wirtschaftsministeriums.

 

 

2. Sonder-Finanzierungs- und Liquiditätshilfen der Förder-Banken

 

Die umfangreichen und ständig ergänzten bzw. aktualisierten Förder-Kreditprogramme der KfW und der Landesförderbanken sind über eine durchleitende Hausbank zu beantragen. Doch was machen GründerInnen, Selbständige und KMU, die ihre Finanztransaktionen nicht über eine gefestigte Beziehung zur örtlichen Bank, sondern beispielsweise über eine Online-Bank abwickeln?

Solche Kreditsuchende können bei den Bürgschaftsbanken der Länder auch Bürgschaften ohne Hausbank (BoB) bis zu einem Bürgschaftsbetrag von 200.000 Euro beantragen. Auf Basis einer solchen BoB-Urkunde können bei einer Bürgschaftsquote von 80% Darlehen von bis zu 250.000 Euro abgesichert werden, womit das Unternehmen leichter eine durchleitende örtliche Hausbank für den Förder- oder Hausbankkredit findet.

Im Juni wurde die Bürgschaftsquote für manche Formen der Bürgschaften bei Corona-Hilfskrediten sogar auf 90% (KMU) oder gar 100% bei kleinen Unternehmen mit bis zu 10 Mitarbeitern und Freiberuflern aufgestockt. Ausgehend vom Besicherungsbedürfnis der durchleitenden Hausbank können somit Corona-veranlaßte zusätzliche Liquiditätskredite der Haus- und Förderbanken an Unternehmen und Freiberufler durch die Ausfallbürgschaft ggf. erst ermöglicht werden. Zudem wurden die Bearbeitungsdauern seitens der Bürgschaftsbank auf ein bis drei Tage verringert und auch ganz junge Unternehmen ab dem 2. Geschäftsjahr unterstützt (vgl. Link zur Bürgschaftsbank NRW).

Ergänzend zu meinen Ausführungen in den beiden vergangenen Newsletter sind unter den nachfolgenden Links die Hilfskreditprogramme der Förderbanken mit aktuellen Erweiterungen erläutert:

 

Für die Gewährung der sehr günstigen Hilfskredite durch die Haus- und Förderbank sind folgenden Anforderungen durch das Unternehmen zu erfüllen:

  • Vor Eintritt der Corona-Krise „tragfähiges“ Geschäftsmodell, es darf nicht bereits zuvor ein Unternehmen in Schwierigkeiten nach EU-Definition bestanden haben
  • Kapitaldienstfähigkeit war in 2019 gegeben bei mindestens ausreichender Bonität
  • Die durch Corona auftretende zusätzliche Belastung ist auf Basis der wirtschaftlichen Zahlen 2019 tragbar, kostenreduzierende Maßnahmen werden flankierend ergriffen.
  • Stichtag für die „Krisenfreiheit“: 31. Dezember 2019
  • Jahresabschluss 2018 und (vorläufiger) Jahresabschluss 2019, alternativ BWA 12/2019 mit Summen-/Saldenliste und Vorjahresvergleich
  • Kurze Situationsbeschreibung mit Erläuterung des Corona-Kriseneinflusses sowie eingeleiteter Maßnahmen
  • Vorläufige Liquiditätsplanung 2020
  • Rentabilitätsplanungen für 2020 und 2021

 
Gerne bin ich Ihnen bei der Erstellung dieser Unterlagen sowie bei den Finanzierungsverhandlungen mit Ihrer Hausbank behilflich. Nehmen Sie dazu bitte frühzeitig vor Eintritt ernsthafter Liquiditätsengpässe Kontakt mit mir auf.

 

 

3. Erleichterungen bei der Beteiligungsfinanzierung von Start-Ups

 

Innovative Start-Ups, die noch keinen Beteiligungskapitalgeber aufweisen, haben es in der derzeitigen Corona-Krise besonders schwer, Risiko-Kapital anzuwerben. Deswegen hat das NRW-Wirtschaftsministerium zusammen mit der NRW.BANK das neue Förderprodukt „NRW.Start-up akut“ aufgelegt.

Mit dem Programm kann Start-ups bis zu einem Alter von 36 Monaten, die von den Auswirkungen der Corona-Krise betroffen sind, ein Wandeldarlehen (Darlehen, das in Beteiligungskapital umgewandelt werden kann) von bis zu 200.000 € zur Verfügung gestellt werden. Hier ist kein privater Co-Investor erforderlich. Das Wandeldarlehen hat eine Laufzeit von sechs Jahren. Es ist endfällig oder kann mit Eintritt eines neuen Investors in Eigenkapital gewandelt werden. Vorteil: In der akuten Krise wird das Unternehmen nicht durch Zins- und Tilgungszahlungen belastet.
Weitere Erleichterungen wurden auch für Start-Ups mit bereits bestehenden Business-Angel- oder Risikokapital-Finanzierungen eingeführt und auf der Seite der NRW-Bank beschrieben.

 

Update: Neben den erweiterten Bedingungen zur Beteiligungsfinanzierung der NRW-Bank für innovative Start-Ups hat auch der Bund im Juni 2020 über die KfW (-Beteiligungsgesellschaften) ein erweitertes Beteiligungsprogramm aufgelegt. Weitere Informationen auf der Homepage der KfW.

 

 

4. Alternativen zur eingestellten 100%-Corona-Beratungsförderung von Unternehmen

 

Die im letzten Newsletter angekündigte attraktive 100%-ige Förderung für corona-bedingte Beratungsbedarfe von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) und Selbständigen wurde durch das BAFA nach nur wenigen Wochen wegen Ausschöpfung des Budgets wieder eingestellt. So wurden in den ersten Wochen mehr als 30.000 Förderanträge von Unternehmen und mehr als 8.000 neue Akkreditierungsanträge von Berater/innen gestellt. Üblicherweise werden in einem ganzen Jahr etwa 20.000 Förderanträge bearbeitet, während etwa 4.000-5.000 Berater/innen beim BAFA gelistet sind. Die hohen Zahlen an Beratungs- und Akkreditierungsanträgen ließen das BAFA aufhorchen und Mitnahmeeffekte erkennen, wie sogar in den Medien erläutert wurde. Es sollten beispielsweise ganze Marketinginstrumente wie Homepages und Flyer durch bislang nicht akkreditierte Werbeagenturen mittels „100%-Förderhinweis“ kostenfrei für die Unternehmen erstellt werden, was die Förderbedingungen grundsätzlich ausschließen.

Somit können jene Unternehmen, die bereits Anträge auf die 100%-Corona-bedingte Förderung gestellt haben, leider keine Inaussichtstellung bzw. Bewilligung eines Antrags in diesem Fördermodul mehr erhalten. Jedoch werden KMU und Selbständige weiterhin mit folgenden Beratungsförderungen unterstützt:

 

  • Reguläre BAFA-Beratungsförderung mit 50%-iger Kostenübernahme von bis zu zweimal 1.500 Euro wird weiterhin gewährt. Dabei werden konzeptionelle Beratungen durch akkreditierte Berater/innen zu allgemeinen und speziellen Themenstellungen gefördert. Solche Beratungen können kurzfristig vorbeantragt, begonnen und binnen sechs Monaten abgeschlossen werden. Für Unternehmen in Schwierigkeiten gibt es sogar eine 90%ige-Fördervariante mit bis zu 2.700 Euro Erstattung der durch das Unternehmen vorauszulegenden Beratungskosten.
  • RWP-NRW-Beratungsprogramm für umfangreiche Finanzierungsberatungen mit bis zu 50% Bezuschussung der Beraterkosten im Erstattungsverfahren.
  • Potentialberatung NRW zur Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit auch von Unternehmen in Schwierigkeiten, sofern nicht von vornherein auf Personalabbau ausgerichtet, mit bis zu 50% Bezuschussung im Erstattungsverfahren.
  • Unternehmenswert:Mensch für personal- und führungsbezogene Beratungen, sofern nicht von vornherein auf Personalabbau ausgerichtet, mit bis zu 80% Bezuschussung im Erstattungsverfahren.
  • Gründer-/Übernahmeberatung BPW NRW mit bis zu 50% Bezuschussung der Beraterkosten im Erstattungsverfahren unter nötigenfalls verlängerter Beratungsdauer.

 

Somit kann jedes KMU und jede/r Selbständige in diesen schwierigen Zeiten mit umfangreicher finanzieller Unterstützung auf meine betriebswirtschaftliche Beratung zurückgreifen, wozu Sie über das Kontaktformular gerne einen Beratungstermin vereinbaren können.

 

 

5. Stundungen der Sozialversicherungsabgaben und Steuerzahlungen

 

Zwar sind für alle Selbständigen, GründerInnen und Unternehmen weiterhin Steuerstundungen möglich, jedoch sind die Stundungserleichterungen für Abgaben zur Sozialversicherung zwischenzeitlich ausgelaufen. Unter folgenden Links gibt es weitere Auskünfte:

 

 

 

6. Verdienstausfall von Selbständigen wegen Infektionsschutzmaßnahmen

 

Auch Selbstständige oder Freiberufler können bei Verdacht oder bestätigter Infektion zum Schutz ihrer Umwelt unter Quarantäne gestellt werden. Geschieht dieses aufgrund einer Anordnung des Gesundheitsamtes, so erhalten sie einen Verdienstausfall nach dem Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten (IfSG).
Die monatliche Entschädigung bemisst sich gemäß § 56, Absätze 3,11,12 IfSG nach einem Zwölftel des letzten Arbeitseinkommens, das dem Finanzamt im Rahmen der Gewinnermittlung gemeldet wurde. Nach sechs Wochen sinkt die Entschädigung auf die Höhe des gesetzlichen Krankengeldes.
Der Antrag auf Entschädigung ist beim anordnenden Gesundheitsamt bzw. dem zuständigen Landschaftsverband binnen drei Monaten zu stellen! Weitere Informationen gibt das Informationsblatt der Kassenärztlichen Bundesvereinigung.

 

 

7. Modifizierte Aussetzung der Insolvenzantragspflicht nur noch für überschuldete juristische Personen bis 31.12.2020

 

Update: Die rückwirkend zum 01. März 2020 wirksame Aussetzung der haftungsbewehrten und teilweise auch strafbewehrten dreiwöchigen Pflicht zur Stellung des Insolvenzantrages durch die Geschäftsführung juristischer Personen war bis zum 30.09.2020 befristet. Diese Aussetzung galt für beide Insolvenztatbestände der Überschuldung wie auch Zahlungsunfähigkeit, sofern eine solche auf den Folgen der COVID-19-Pandemie beruht und erst nach dem 31.12.2019 eingetreten ist.
Mit der aktuellen Gesetzesänderung sind ab dem 01.10.2020 die Geschäftsführungen zahlungsunfähiger juritischer Personen nicht mehr von der Pflicht zur Stellung eines Insolvenantrages befreit, sondern hiervon nur im Falle der Überschuldung und auch dann nur noch bis zum 31.12.2020.
Nähere Informationen bei einem Fachanwalt für Insolvenzrecht und auf der Seite des Bundesjustizministeriums.

 

Gleichwohl unterliegen alle Geschäftsführer/innen und Inhaber von Unternehmen der auch außerhalb von Krisenzeiten bestehenden kaufmännischen Pflicht zur Führung einer Liquiditätsplanung. Diese sollte mindestens monatlich, bei „engerer“ Liquiditätslage mindestens wöchentlich mit aktuellen Plan- und Ist-Zahlen zu den Einnahmen und Ausgaben auf Basis der Auftragsentwicklung und der Buchführung bzw. Kontoauszüge aufgestellt werden. So läßt sich dokumentieren, dass sich die Liquidität erst infolge der Corona-Einbrüche verschlechtert hat und nicht schon am 31.12.2019 Zahlungsunfähigkeit bestand. Auch für die Beschaffung „frischer“ Liquidität beispielsweise durch Sonderkredite der Förderbanken (vgl. Punkt 2) wird eine solche Liquiditätsplanung benötigt.

 

Mithin sind und bleiben die Geschäftsführenden und Gesellschafter juristischer Personen zur Vermeidung einer insolvenzrechtlichen Haftung gefordert, neben der Planung und Dokumentation der Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Zahlungsfähigkeit auch eigene Beiträge zu leisten: Dieses schließt frühzeitige Kürzungen der eigenen Gehälter bzw. Gewinnentnahmen ein und ist ebenfalls zu dokumentieren.

 

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