Hilfen in der Corona-Krise für kleine und mittelständische Unternehmen, Selbständige sowie GründerInnen

Übersicht mit Links zu den Unterstützungspaketen

Bild-Rettungsring-für-Unternehmen-und-Selbständige-in-der-Krise

Dieser Blogbeitrag gibt eine allgemeine Übersicht zu den vielfältigen und sich dynamisch ergänzenden Unterstützungsmaßnahmen von Selbständigen, kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) sowie Gründer/innen in der Corona-Krise mit Stand vom 03.04.2020:

 

1. Zuschüsse für Selbständige, Freiberufler und kleine Unternehmen

 

Von der Corona-Krise betroffene Selbständige, Freiberufler und kleine Unternehmen im Haupterwerb können größenabhängig folgende Soforthilfen zur Unterstützung bei den Fixkosten (ohne Personalkosten) ihrer Unternehmen über die verlinkten Informationsseiten bis zum 31.05.2020 beantragen:

 

Für die Dauer bis zur Auszahlung der Soforthilfen kann mit Nachweis des Bewilligungsbescheides bei der Hausbank die Einrichtung oder Ausdehnung der Kontokorrentkreditlinie verabredet werden. Alle Banken und Sparkassen haben der Bundesregierung ein entsprechendes Entgegenkommen signalisiert.

 

Bei der Antragsstellung bitte unbedingt auf die entsprechenden Nebenbedingungen achten, da die Soforthilfen bei Überkompensation oder Mitnahmeeffekten (teilweise) zurückzuzahlen sind. Wer noch ein paar Wochen aus Rücklagen die Fixkosten bestreiten kann, sollte noch warten, um ganz sicher die Auswirkungen der Corona-Krise auf seine Umsatz- und Liquiditätslage belegen zu können. Ein Aufzehren der privaten und geschäftlichen Rücklagen ist aber keine Voraussetzung für die Gewährung der Zuschüsse.
Hinsichtlich der Zuschussmöglichkeiten zu den Personalkosten wird auf das Kurzarbeitergeld der Arbeitsagentur sowie auf meine Erläuterungen im letzten Newsletter und meinen Blogbeitrag verwiesen.

 

 

2. Sonder-Finanzierungs- und Liquiditätshilfen der Förder-Banken

 

Die umfangreichen und ständig ergänzten bzw. aktualisierten Förder-Kreditprogramme der KfW und der Landesförderbanken sind über eine durchleitende Hausbank zu beantragen. Doch was machen GründerInnen, Selbständige und KMU, die ihre Finanztransaktionen nicht über eine gefestigte Beziehung zur örtlichen Bank, sondern beispielsweise über eine Online-Bank abwickeln?

Bei den Bürgschaftsbanken der Länder können auch Bürgschaften ohne Hausbank (BoB) bis zu einem Bürgschaftsbetrag von 200.000 Euro beantragt werden. Auf Basis einer solchen BoB-Urkunde können bei einer Bürgschaftsquote von 80% Darlehen von bis zu 250.000 Euro abgesichert werden, womit das Unternehmen leichter eine durchleitende Hausbank für den Förder- oder Hausbankkredit findet.
Aktuell wurde die Bürgschaftsquote für manche Formen der Bürgschaften sogar auf 90% und die Bearbeitungsdauer auf bis zu einem Tag verringert.

Ergänzend zu meinen Ausführungen im letzten Newsletter sind unter den nachfolgenden Links die Hilfskreditprogramme der Förderbanken mit aktuellen Erweiterungen erläutert:

 

Für die Gewährung der sehr günstigen Hilfskredite durch die Haus- und Förderbank sind folgenden Anforderungen durch das Unternehmen zu erfüllen:

  • Vor Eintritt der Corona-Krise „tragfähiges“ Geschäftsmodell, es darf nicht bereits zuvor ein Unternehmen in Schwierigkeiten nach EU-Definition bestanden haben
  • Kapitaldienstfähigkeit war in 2019 gegeben bei mindestens ausreichender Bonität
  • Die durch Corona auftretende zusätzliche Belastung ist auf Basis der wirtschaftlichen Zahlen 2019 tragbar, kostenreduzierende Maßnahmen werden flankierend ergriffen.
  • Stichtag für die „Krisenfreiheit“: 31. Dezember 2019
  • Jahresabschluss 2018 und (vorläufiger) Jahresabschluss 2019, alternativ BWA 12/2019 mit Summen-/Saldenliste und Vorjahresvergleich
  • Kurze Situationsbeschreibung mit Erläuterung des Corona-Kriseneinflusses sowie eingeleiteter Maßnahmen
  • Vorläufige Liquiditätsplanung 2020
  • Rentabilitätsplanungen für 2020 und 2021

 
Gerne bin ich Ihnen bei der Erstellung dieser Unterlagen sowie bei den Finanzierungsverhandlungen mit Ihrer Hausbank behilflich. Nehmen Sie dazu bitte frühzeitig vor Eintritt ernsthafter Liquiditätsengpässe Kontakt mit mir auf.

 

 

3. Erleichterungen bei der Beteiligungsfinanzierung von Start-Ups

 

Innovative Start-Ups, die noch keinen Beteiligungskapitalgeber aufweisen, haben es in der derzeitigen Corona-Krise besonders schwer, Risiko-Kapital anzuwerben. Deswegen hat das NRW-Wirtschaftsministerium zusammen mit der NRW.BANK das neue Förderprodukt „NRW.Start-up akut“ aufgelegt.

Mit dem Programm kann Start-ups bis zu einem Alter von 36 Monaten, die von den Auswirkungen der Corona-Krise betroffen sind, ein Wandeldarlehen (Darlehen, das in Beteiligungskapital umgewandelt werden kann) von bis zu 200.000 € zur Verfügung gestellt werden. Hier ist kein privater Co-Investor erforderlich. Das Wandeldarlehen hat eine Laufzeit von sechs Jahren. Es ist endfällig oder kann mit Eintritt eines neuen Investors in Eigenkapital gewandelt werden. Vorteil: In der akuten Krise wird das Unternehmen nicht durch Zins- und Tilgungszahlungen belastet.
Weitere Erleichterungen wurden auch für Start-Ups mit bereits bestehenden Business-Angel- oder Risikokapital-Finanzierungen eingeführt und auf der Seite der NRW-Bank beschrieben.

 

 

4. Bis zu 100% Förderung der Beratungen von Unternehmen in der Corona-Krise

 

Für Selbständige, kleine und mittlere Unternehmen sowie GründerInnen, die betriebswirtschaftliche Beratung in der Corona-Krise, z.B. zur Erlangung der vorgennannten Fördermöglichkeiten benötigen, haben Bund und Land NRW auch die Fördermöglichkeiten ganz aktuell aufgestockt. So stehen nach zuvor ggf. auch online vorgenommener Antragsstellung für beratungsbedürftige Unternehmen folgende Förderprogramme bereit, für die Dr. Stefan Borchert als Berater zugelassen ist:

 

  • BAFA-Corona-Beratungsförderung mit 100%-iger Kostenübernahme von bis zu 4.000 Euro und mit liquiditätsschonender Direktüberweisung an den Berater bei Eigentragung der Umsatzsteuer, sofern das Unternehmen bzw. der/die Selbständige erst durch die Corona-Krise in Schwierigkeiten gelangt. Dieses einmalige Programm kann ab dem 03.04.2020 und nur bis zum 31.12.2020 online über akkreditierte Berater beantragt werden.
  • RWP-NRW-Beratungsprogramm für umfangreiche Finanzierungsberatungen mit bis zu 50% Bezuschussung der Beraterkosten im Erstattungsverfahren.
  • Potentialberatung NRW zur Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit auch von Unternehmen in Schwierigkeiten, sofern nicht von vornherein auf Personalabbau ausgerichtet, mit bis zu 50% Bezuschussung im Erstattungsverfahren.
  • Unternehmenswert:Mensch für personal- und führungsbezogene Beratungen, sofern nicht von vornherein auf Personalabbau ausgerichtet, mit bis zu 80% Bezuschussung im Erstattungsverfahren.
  • Gründer-/Übernahmeberatung BPW NRW mit bis zu 50% Bezuschussung der Beraterkosten im Erstattungsverfahren unter nötigenfalls verlängerter Beratungsdauer.

 

Somit kann jedes KMU und jede/r Selbständige in diesen schwierigen Zeiten mit umfangreicher finanzieller Unterstützung auf meine betriebswirtschaftliche Beratung zurückgreifen, wozu Sie über das Kontaktformular gerne einen Beratungstermin vereinbaren können.

 

 

5. Stundungen der Sozialversicherungsabgaben und Steuerzahlungen

 

Alle Selbständigen, GründerInnen und Unternehmen können für laufende Steuer(nach)zahlungen sowie für Abgaben zur Sozialversicherung Stundungs- und ggf. auch Aussetzungs- und Fristverlängerungsanträge stellen. Ansprechpartner dazu ist Ihr Steuer- bzw. Lohnbuchführungs-Büro. Erste Hinweise finden Sie vorab unter:

 

 

 

6. Verdienstausfall von Selbständigen wegen Infektionsschutzmaßnahmen

 

Auch Selbstständige oder Freiberufler können bei Verdacht oder bestätigter Infektion zum Schutz ihrer Umwelt unter Quarantäne gestellt werden. Geschieht dieses aufgrund einer Anordnung des Gesundheitsamtes, so erhalten sie einen Verdienstausfall nach dem Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten (IfSG).
Die monatliche Entschädigung bemisst sich gemäß § 56, Absätze 3,11,12 IfSG nach einem Zwölftel des letzten Arbeitseinkommens, das dem Finanzamt im Rahmen der Gewinnermittlung gemeldet wurde. Nach sechs Wochen sinkt die Entschädigung auf die Höhe des gesetzlichen Krankengeldes.
Der Antrag auf Entschädigung ist beim anordnenden Gesundheitsamt bzw. dem zuständigen Landschaftsverband binnen drei Monaten zu stellen! Weitere Informationen gibt das Informationsblatt der Kassenärztlichen Bundesvereinigung.

 

 

7. Aussetzung der Insolvenzantragspflicht für juristische Personen bis 30.09.2020

Rückwirkend zum 01. März 2020 wurde die haftungsbewehrte und teilweise auch strafbewehrte dreiwöchige Pflicht zur Stellung des Insolvenzantrages für Unternehmen als juristische Personen bis zum 30.09.2020 ausgesetzt. Dies gilt nur für Fälle, in denen die Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung auf den Folgen der COVID-19-Pandemie beruht und erst nach dem 31.12.2019 eintritt. Nähere Informationen bei einem Fachanwalt für Insolvenzrecht und auf der Seite des Bundesjustizministeriums.

 

Gleichwohl unterliegen alle Geschäftsführer/innen und Inhaber von Unternehmen der auch außerhalb von Krisenzeiten bestehenden kaufmännischen Pflicht zur Führung einer Liquiditätsplanung. Diese sollte mindestens monatlich, bei „engerer“ Liquiditätslage mindestens wöchentlich mit aktuellen Plan- und Ist-Zahlen zu den Einnahmen und Ausgaben auf Basis der Auftragsentwicklung und der Buchführung bzw. Kontoauszüge aufgestellt werden. So läßt sich dokumentieren, dass sich die Liquidität erst infolge der Corona-Einbrüche verschlechtert hat und nicht schon am 31.12.2019 Zahlungsunfähigkeit bestand. Auch für die Beschaffung „frischer“ Liquidität beispielsweise durch Sonderkredite der Förderbanken (vgl. Punkt 2) wird eine solche Liquiditätsplanung benötigt.

 

Mithin sind und bleiben die Geschäftsführenden und Gesellschafter juristischer Personen zur Vermeidung einer insolvenzrechtlichen Haftung gefordert, neben der Planung und Dokumentation der Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Zahlungsfähigkeit auch eigene Beiträge zu leisten: Dieses schließt frühzeitige Kürzungen der eigenen Gehälter bzw. Gewinnentnahmen ein und ist ebenfalls zu dokumentieren.

 

Zurück